Mein Leben mit Informationstechnik
...begann ungefähr 1978, als mir mein Vater einen Computer mit nach Hause brachte. Einen übers Wochenende ausgeliehenen Rockwell AIM 65, ein aus heutiger Sicht geradezu präkambrisches Modell. Weitere Gehversuche mit geliehenen Geräten, wie dem Commodore PET, dem Sinclair ZX 80 und dem schon recht schönen Commodore 3032, auf dem ich mein erstes brauchbares Programm geschrieben habe (eine Auswertesoftware für Mikroskopbeobachtungen mit spektakulärer Klötzchengrafik).
So richtig gings los mit meinem ersten eigenen Rechner, dem Sinclair ZX81, und dann später natürlich mit dem C 64...der wahrscheinlich zig-tausende von IT-Karrieren begründet hat. Das war 1982 oder '83, wahrscheinlich Weihnachten 82. In den nächsten Jahren wurde meine gesamte jeweils verfügbare Barschaft in die diversen Erweiterungen investiert...zum Beispiel in Floppylaufwerke mit sagenhaften 170 Kilobyte Kapazität...
...und dann natürlich ein paar Jahre später in den Traumcomputer, den
Atari ST.
Ein Computer für echte Kerle, nicht für
Weicheier :-)
Das war auch der
Einstieg in Programmierung mit C, und vieler Stunden auf der Sucher nach
Buffer Overflows aufgrund falsch dimensionierter Arrays.
Die Computerleidenschaft nahm dann erstmal eine Auszeit, und ich studierte ein wenig. Erst zur Diplomarbeit 1993 holte mich die Sache wieder ein, und ich schrieb eine zwar leicht fehlerhafte (wie sich später erwies, aber da hatte ich das Diplom schon) aber doch nützliche Datenauswertungssoftware in C auf einer microVAX 4000 Workstation, jedenfalls auf irgeneiner Kiste mit VMS. Mit FTP und vor allem IRC hatten wir da sogar schon Zugang zum Internet...allerdings noch ohne Browser.
Das richtige Internet, also das WWW, sah ich dann zum erstenmal ein Jahr später, als ich die Doktorarbeit im MPIfR begann. Eine SUN-Workstation, und ein X-Mosaic Browser! Paradiesische Verhältnisse für einen Ex-Computerfreak...und für die Astronomie konnte ich sogar ein paar nützliche Sachen programmieren, wenn ich nicht meine Zeit in irgendwelchen newsgroups verschwendet habe.
1997 fing meinen ersten Job an, nachdem ich der Wissenschaft Lebewohl gesagt hatte. Bei Andersen Consulting (inzwischen "Accenture") konnte ich bei der Entwicklung systemnaher Dienste für die Handelsplattform der Terminbörse EUREX mitmachen...wo mir wider Erwarten noch einmal VMS-Kenntnisse zu gute kamen.
Einige weitere Tätigkeiten kamen, die mal mehr, mal weniger mit Informatik zu tun hatten. Projektleiter, Strategieberater, dann in eine (kurzlebige) Venture Capital und Private Equity Firma. An IT dachte ich immer weniger bei der Arbeit, wenn es auch immer noch reichte, bei den alltäglichen PC-Katastrophen im Büro erste Hilfe zu leisten.
Dann, ausgerechnet in den Krisenjahren der Branche 2002 und 2003, fand ich wieder zurück. Kunden waren schwer zu finden, und über Bekannte aus früheren Zeiten fand ich auf einmal wieder zu Softwareprojekten. Die Technik hatte sich stark weiterentwickelt, und Themen wie Java, XML, Webservices, ESB waren aktuell. Viel Neues zu Lernen, aber die lange Erfahrung half!
Mehr und mehr ging es neben der Technik auch um ganz andere Dinge, etwa wie man eigentlich in einem Unternehmen herausfindet, welche Software man überhaupt braucht oder will. Die "Schnittstelle" zwischen Geschäft und Technik, das erschien mir immer mehr ein Schlüsselproblem zu sein. Hier brauchte man offensichtlich Leute, die beide Sprachen sprechen konnten: Die der Techniker, und die der "Fachseiten", der Geschäftsleute. Das konnte ich, hier gab es interessante Aufgaben, hier bewegte sich wirklich etwas.
Jetzt ist 2007, und ich verdiene mein Geld immer noch mit IT und vor allem dem Spannungspunkt zwischen Technik und Nicht-Technik. Serviceorientierte Architektur (SOA) ist eines der Zauberworte, mit denen man in diesem Bereich Fortschritte erreichen will. Das Thema beschäftigte mit jahrelang bei der Deutschen Post, die dort sehr innovativ und weit voraus war, und es beschäftigt mich auch heute fast jeden Tag. Seit einem Jahr lebe und arbeite ich in der Schweiz, wo ich mit einer Gruppe von ca. 40 sehr kompetenten Kollegen bei der IPT versucht, die Enterprise-Architekturen unserer Kunden zu perfektionieren...
Ich bin sicher, dass das was wir heute machen, in 30 Jahren so erscheinen wird wie heute der Rockwell AIM 65. Auf jeden Fall bin ich gespannt darauf. Ich möchte, Inschallah, die weitere Entwicklung so lange wie möglich miterleben und vielleicht ein wenig mitgestalten!